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Wir stellten uns die Frage, was man denn alles Schönes mit Supers! anfangen könnte und hatten ein kleines Problemchen: Wir hatten so verdammt viele Ideen, was man denn machen könnte, dass wir nicht wussten, wohin damit. Wir haben nicht vor, Euch unsere Ideen vorzuenthalten. Warum auch? Wäre ja schade drum. In regelmäßigen Abständen werden wir hier auf der Homepage sogenannte „Teaser“ für weitere Supers!-Settings veröffentlichen. In Struktur und Umfang entsprechen dieseungefähr den Setting-Kapitelchen im GRW.

Kleiner Disclaimer darüber, was das hier NICHT ist:

Ein Publikationsplan für irgendwelche Hefte oder Bücher.

Dazu sind unsere Pläne und Ideen zum gegenwärtigen Zeitpunkt nämlich noch zu sehr im Fluss. Seht die ganze Teaser-Sache daher eher als „Die Supers!-Jungs werfen komisches Zeug an die Wand und gucken mal, was kleben bleibt“ und nicht als „Das kommt alles noch – in Farbe, Bunt und mit Fünfhundertmarkschein als Lesezeichen in jeder Ausgabe!

Eine vollständige Liste aller kommenden Teaser und Produkte. 

So ein, zwei bis drölfzig Ideen haben wir noch, die aber noch nicht so spruchreif sind, dass wir hier in diesem Artikel schon drüber schreiben.

Angaria

von Bjorn Beckert

 

Urplötzlich erhellte gleißendes Licht die verlassene Kiesgrube am Stadtrand. Fireflash schlug wie ein Komet auf dem Boden der Kiesgrube ein. Der kleine Krater, den ihr Einschlag geformt hatte, war an den Rändern zu Glas geschmolzen. Blitzschnell federte die junge Superheldin empor und machte einen Schritt auf die Kreatur zu, die mitten im Kies stand und von Fireflashs plötzlichem Auftauchen vollkommen überrascht worden war. „HALT! Scelestus Calculum – Deine Tage des Verbrechens sind gezählt!“ Das bösartige Steinwesen drehte sich langsam um. „So – Fireflash also….“. Spannung lag in der Luft. „Äh – Hallo? Was genau wird das? Was machen Sie da unten?“ Irritiert blickte Fireflash zur Seite und sah, wie sich von der nahen Landstraße her zwei Fahrradpolizisten näherten. Hinter sich vernahm sie die schnellen Schritte von Scelestus Calculum, der sich rasch entfernte. „Könnten wir wohl bitte mal ihre Genehmigung sehen?“ An Tagen wie diesen hasste Fireflash die Bundesrepublik…

 

Es war 1920, als Rudolf Steiner, der große Mystiker und Begründer der Anthroposophie in den Besitz des sagenumwobenen Hajar Min Alfada kam, jenem geheimnisumwitterten Kristall, den Okkultisten und Grenzwissenschaftler des 19, Jahrhunderts mit dem Untergang der vergessenen Stadt Irem mit den 1000 Säulen in Verbindung brachten. Rudolf Steiner vermutete jedoch, dass der Hajar Min Alfada aus Atlantis stammen müsse. Wie falsch er lag, merkte er in der Nacht zu Allerheiligen im Jahre 1922 im Goetheanum. Er hatte sich zusammen mit der kompletten Führungsriege der Anthroposophischen Gesellschaft versammelt, um im gewagtesten aller okkulten Rituale eine geistige Verbindung zwischen Mensch und Kristall herzustellen. Die folgende Explosion war noch im zehn Kilometer entfernten Basel zu hören. „Schlampig verlegte Gasleitungen“ sollte später der zuständige Brandsachverständige des Kantons Solothurn urteilen. Schon 1923 waren die Anthroposophen vergessen, ihr Platz in der Welt der Esoterik eingenommen von anderen Exzentrikern. Heute steht dort, wo das Goetheanum einst war, eine Filiale einer Schnellrestaurantkette. Und doch blieb der unfreiwillige Suizid der Anthroposophen nicht folgenlos. Ihr Herumgepfusche hatte den Hajar Min Alfada zerspringen lassen und etwas freigesetzt. Wenige Wochen nach der Katastrophe tauchten sie überall auf der Welt auf – Menschen, die plötzlich über besondere Kräfte verfügten. Einige waren so plötzlich stark, dass sie Automobile werfen konnten. Andere hatten hypnotische Fähigkeiten entwickelt. Wieder stellten fest, dass sie fliegen konnten. Sicher, es gab nur wenige von ihnen – aber der Einfluss, den sie hatten war gewaltig, denn jeder dieser Übermenschen entschied sich, seine Kräfte entweder zum Wohl der Menschheit oder zum Bösen zu verwenden. Und so begann das Zeitalter der Superhelden! Unvergessen sind die Heldentaten von Dr. Zongo dem Meister des Übersinnlichen, der Al Capone die Stirn bot. Unvergessen ist das Duell zwischen Liberty Lass und Meister Wieland dem Raketen-Arier, das 1944 die reibungslose Durchführung des D-Day ermöglichte. Unvergessen ist, wie Team Excelsior 1962 den dritten Weltkrieg verhinderte, indem es die berüchtigte Mind-Snail davon abhielt, Kontrolle über die sowjetischen Raketen auf Kuba zu übernehmen.

Heute sind Superhelden noch immer ein bedeutender Faktor im Weltgeschehen. Zwar sind noch immer nur eine geringe Promille-Zahl der Menschheit mit Superkräften gesegnet, aber das Phänomen ist mittlerweile schon so lange präsent, dass die Menschheit sich einigermaßen darauf eingerichtet hat. Die meisten Nationen haben ihre eigenen Superheldenteams, während Einzelgänger und Vigilanten ihr eigenes Ding durchziehen. Immer wieder stellen normale Menschen (meist im Teenager-Alter) fest, dass sie Superkräfte haben. Doch anstatt damit alleine klarzukommen zu müssen, gibt es nun zahlreiche Vorbilder, die zeigen, wie man mit Superkräften umgeht. Größere Superheldenorganisationen wie die Freedom Brigade der NATO oder die von der EU finanzierte Légion des Super Doués betreiben sogar regelrechte Superheldenakademien. Die kriminelle Gegenseite schläft natürlich nicht. Südamerika wird noch immer von den Super-Contras heimgesucht und irgendwo auf dem Mars muss sich auch immer noch eine Gruppe unsterblicher Trotzkisten mit fliegenden Untertassen verstecken, die unter dem Banner von Faust und Eispickel von der wahren Weltrevolution träumen.

Die meisten kennen Superhelden nur aus dem Fernsehen. Ihre Taten beschränken sich auf die großen Metropolen der Welt, wie New York, Tokio, Singapur oder Paris. Oder irgendwo im Weltraum.

Umso seltsamer ist es, dass seit einiger Zeit immer wieder merkwürdige Vorkommnisse Niedersachsen im Allgemeinen und dort die kleine, südlich gelegene Stadt Rübefeldt im Besonderen heimsuchen. Lange Zeit war das Einzige, was Rübefeldt mit Superhelden verband, die Geburt von Kai Uwe Schrödter, einem Heizungsinstallateur, der 1965 feststellte, dass er Rohre mit dem Finger zusammenschweißen und fliegen konnte.

Nun allerdings, 2022, wird der Landstrich um Rübefeldt regelrecht von Übermenschen überschwemmt. Immer wieder sind es scheinbar unzusammenhängende Zufälle, die Superhelden und Superschurken in die deutsche Provinz führen. Ein statistischer Zufall? Ein tieferes Mysterium? Der Stadtverwaltung ist dies egal – sie ist mit der Situation so oder so überfordert.

Mediale Vorbilder

Angaria ist ein recht „herkömmliches“ Superheldensetting. Was immer irgendwo bei Marvel oder DC vorkommt, ist auch in Angaria denkbar. Der einzige, vage Twist ist, dass Angaria die Frage stellt, wie wohl eine durchschnittliche deutsche Kleinstadt in einer Welt aussähe, in der es Superhelden wirklich gibt. Es gibt nur eines zu beachten: Wie die Leserschaft sicherlich schon aus dem Tonfall dieses Teasers hat schließen können, ist Angaria kein besonders düsteres Setting. Es orientiert sich an den beschwingteren Superheldengeschichten des sogenannten Silver-Age und fügt eine Prise Superheldenparodie im Stil eines Captain Berlin hinzu. Besonders fiese und zynische Anti-Helden aus dem Iron-Age der Superhelden gibt es zwar auch irgendwo auf der Welt – allerdings wirken diese in der Rübefeldt und Umgebung noch viel deplatzierter als andere Superhelden, was dann schnell zu Plots wie in Archie Meets the Punisher führt. Nur eben in der deutschen Provinz statt in der amerikanischen.

Wie realistisch soll es sein?

Die schillernde Welt der Übermenschen entspricht ziemlich exakt jener, wie sie in den zahlreichen Comics um die Justice League, die Avengers oder die X-Men gezeigt wird. Überlebensgroße Heroen in auffälligen Kostümen vollbringen epische Heldentaten oder verüben finstere Verbrechen. Supertechnologie bricht mit schöner Regelmäßigkeit alle nur bekannten Naturgesetze. Jede Woche wird die Welt von irgendetwas Neuem bedroht. Und während all dem haben Übermenschen ein so dramagefülltes Privatleben, dass manche mexikanische Telenovela dagegen regelrecht emotionsarm wirkt. Kurz: Realismus spielt hier allenfalls die dritte Geige.

Die biedere Welt der Kleinstadt Rübefeldt hingegen ist fast schon schmerzhaft realistisch. Der Stadtrat zofft sich seit fünfzehn Jahren um den Ausbau der rübefeldter Südumgehung. Dem historischen Altstadtverein geht das Geld zur Renovierung des historischen Runkelhofes aus. Sämtliche Tankstellen des Ortes haben letzte Woche die Spritpreise erhöht. Und das beliebte Kindergrillfest der Stadtsparkasse fällt wahrscheinlich auch dieses Jahr wieder aus. Der ganze, glitzernde Superheldenkram wirkt in Rübefeldt so weit entfernt als würde er in einem anderen Universum stattfinden. Die meisten Rübefeldter verhalten sich auch entsprechend. Steht das Fantastomobil von Captain Fantastic in der Birkenstraße im Halteverbot, dann kriegt Captain Fantastic eben ein Knöllchen. Das Ordnungsamt Rübefeldt kennt da nichts.

 

Was war der Hajar Min Alfada?

Der Hajar Min Alfada. Der geheime Ursprung aller Superkräfte auf Erden. Was war er? Ein geheimnisvoller Meteorit? Ein Artefakt aus Atlantis? Ein Zacken aus der Krone Allahs? Tatsächlich nichts von alledem.

Als Kundschafter der Galaktischen Föderation vor 2000 Jahren die Erde entdeckten, war ihr ursprünglicher Plan, genau so zu verfahren wie bei jedem anderen primitiven Planeten, auf den Föderationskundschafter stießen. Die junge Spezies der Menschheit sollte in ihrer Entwicklung beschleunigt und in die galaktische Gemeinschaft aufgenommen werden! Dann jedoch stellten die Ethikraten der Galaktischen Administration von Galactic Central im Falle der Erde eine Besonderheit fest. Der Planet war auf fast unheimliche Art und Weise durchschnittlich. Bevölkerungsdichte, technologische Entwicklung, Agressionsverhalten, Spiritualität – wirklich jeder messbare Aspekt der Erde lag auf dem exakten Mittelwert für präkontaktierte Planeten. Die Ethikraten beschlossen daher, die Menschheit nicht auf eine höhere Evolutionsstufe zu heben, sondern als unbeeinflusste Kontrollgruppe zu behalten und einfach nur zu beobachten. Der Progressionsdetonator, dessen Naniten dafür gedacht waren, die menschliche Evolution zu beschleunigen, wurde eingemottet und zur möglichen späteren Verwendung in einem, wie die Ethikraten damals meinten, besonders unbeachtenswerten Teil der Erde verborgen – der Wüste der arabischen Halbinsel, die eh kein Einheimischer je freiwillig durchqueren würde. Doch hier irrte Galactic Central! Die außerirdischen Beobachter hatten nicht nur die einheimischen Beduinen übersehen, sondern auch nicht in Betracht gezogen, dass deren Märchen und Legenden 19 Jahrhunderte später einen alkoholabhängigen Archäologen auf die Spur des Hajar Min Alfada, wie die Beduinen den Progressionsdetonator nannten, bringen würden. Noch weniger ahnten sie, dass eben jener abgehalfterte Quartalssäufer den Hajar Min Alfada dann an einen europäischen Okkultisten verkaufen würde. Rudolf Steiner zog das okkulte Ritual durch, dass ihm – wie er glaubte – die Geheimnisse von Atlantis offenbaren würde und aktivierte die Detonationssequenz. Dies offenbarte ihm zwar nicht die Geheimnisse von Atlantis, aber  dafür, wie das Jenseits aussah. Die selbstreproduzierenden Naniten aus dem Progressionsdetonator verteilten sich in den oberen Schichten der Erdatmosphäre und verteilten sich über den ganzen Planeten. Da aber kein Wissenschaftler den Prozess steuerte, wurden nur einzelne Individuen auf eine höhere Existenzebene erhoben. Die verliehenen Kräfte waren höchst variabel und insbesondere der den Naniten enthaltene Moralmodifikator arbeitete nur unzuverlässig. Ein Drittel der von den außerirdischen Naniten erhobenen Personen wurde wie von der Galaktischen Föderation vorgesehen zu nobeln, standhaften Gutmenschen, bei einem Drittel wirkte der Moralmodifikator gar nicht und beim letzten Drittel förderten defekte Moralmodifikatoren psychopathisches Verhalten. Die Folge: das Auftauchen wahrhafter Superhelden und Superschurken!

Da die Mühlen in Galactic Central nur langsam mahlen, wurde das ganze Debakel erst 2015 bemerkt. Seither versucht ein völlig unterbesetztes Team von Galaktischen Progressoren, die Dinge auf der vermurksten Erde wieder gerade zu biegen. Leider mit eher mangelhaftem Erfolg…

Wieviel Kontinuität hätte ich gerne?

Angaria ist besonders prädestiniert für ein Serienformat mit abgeschlossenen Einzelfolgen, bei denen die Superhelden zwar jeweils große Abenteuer bestehen, der Status Quo in der deutschen Provinz aber letztlich immer der gleiche bleibt.

Wieviel Macht haben Übermenschen?

Die Superhelden der Welt von Angaria sind in ihrer Machtfülle in etwa den klassischen Superhelden des Marveluniversums vergleichbar. Egal, ob Spiderman, Black Cat, Wolverine oder Storm – Gestalten wie diese sind in Angaria gängige Spielercharaktere. Selten gibt es auch mächtigere Entitäten, entweder weil die Naniten des Hajar Min Alfada in einem Individuum besonders mächtig gewirkt haben, oder weil besagte Entität aus dem Weltraum kam. Was es in Angaria dezidiert nicht gibt, sind Helden auf einem minderen Machtniveau wie dem des Groschenromanhelden. Individuen sind entweder völlig normale Leute oder Superhelden. Etwas dazwischen gibt es nicht.

Wieviel Schwarz-Weiß hätte ich gerne?

Dank der außerirdischen Moralmodifikatoren in den Naniten, die den Superhelden ihre Superkräfte verleihen, haben Übermenschen in Angaria einen geradezu extremen hang zum Schwarz-Weiß-Denken. Entweder sind sie übermenschlich ehrenhafte Engel oder finstere Serienverbrecher. Nur etwa ein Drittel aller Übermenschen ist von diesem Hang zu Extremen nicht betroffen. Daher wirkt die Welt der Superhelden dann auch entsprechend.

Die Welt der normalen Menschen hingegen ist genauso schwarz-weiß oder besser gesagt grau wie unsere wirkliche Welt.

Gibt es eine oder mehrere Quellen ihrer Macht?

Alle Supermacht der Erde basiert auf dem Hajar Min Alfada. Es sind die Naniten, die er frei gesetzt hat, die Leuten die Kraft zu fliegen verleihen, ihnen telepathische Fähigkeiten geben, ihre Muskeln ins Unvorstellbare stärken oder ihren Intellekt ins Halbgöttliche steigern. Allerdings ist dieser Umstand den meisten Übermenschen unbekannt. Fragt man Übermenschen, so gibt es so viele Machtquellen wie es Übermenschen gibt. Der eine mag glauben, einfach naturgegeben besonders clever zu sein, während ein anderer annimmt, er hätte seine Kräfte durch den Segen seiner Stammesgötter erhalten oder weil ein radioaktiver Hamster ihn gebissen habe. Derzeit kennen nur die im Geheimen wirkenden Progressoren der Galaktischen Föderation die Wahrheit.

Wie hat die Existenz von Übermenschen die Welt verändert?

Seit den 1920ern sind Übermenschen ein bestimmender Faktor der Weltgeschichte. Dutzende Male ist die Erde vor der sicheren Zerstörung gerettet worden. Beim Thema „Zweiter Weltkrieg“ lernen Schulkinder genauso viel über die Superheldin Liberty Lass wie über Winston Churchill. Und so weiter und so fort. Kurioserweise hat die Weltgeschichte in Angaria aber bis auf wenige Details fast denselben Verlauf genommen wie in der wirklichen Welt. Zwar waren an allen möglichen und unmöglichen Ereignissen der Weltgeschichte Übermenschen beteiligt – so etwa bei der Stürmung der entführten Lufthansamaschine Landshut im Jahre 1977 – die Endergebnisse waren aber fast immer dieselben wie in unserer Welt.

Welche Konsequenzen hat das Tun der Charaktere?

Da die Charaktere Superhelden sind, hat ihr Tun in der Regel gewaltige Auswirkungen. Sie sind es, die Meteoriten am Einschlagen hindern, Atomkraftwerke vor Terroristen retten und grantige Außerirdische vom Wert der Menschheit überzeugen. Allerdings gibt es zwei Faktoren, die die Wirkung der Superhelden ein wenig ausbremsen. Zum Einen löst in der Welt der Superhelden eine Krise die nächste ab, so dass Heldentaten von letzter Woche in dieser Woche schon wieder vergessen sind und zum anderen kann nichts, aber auch wirklich nichts die schier übermächtige Alltäglichkeit des bundesrepublikanischen Kleinstadtlebens erschüttern…

Dom
Dom

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