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Jetzt gibt’s was auf die Lauschlöffel!

Und zwar ganz gehörig! Aber natürlich nicht wortwörtlich, sondern im übertragenen Sinne. Wir werden ja schließlich nicht unsere treuen Backer vermöbeln. Stattdessen geht es heute um Superhelden im Radio. Ja – richtig. Im Radio! Was heutzutage (und hierzulande) kaum noch wer weiß, ist nämlich, dass Superhelden ihr Unwesen nicht nur auf den Seiten von Pulp- und Comicheften oder auf der Leinwand treiben, sondern auch im Äther äußerst aktiv waren.

promotional photograph for the The Shadow radio series, featuring star Orson Welles via https://commons.wikimedia.org/wiki/File:WellesShadow.jpg

Als in den 1930ern der moderne Superheld aus der Taufe gehoben wurde und auch gleich so richtig abhob, befanden wir uns in genau jener Zeit, die man in der englischsprachigen Welt das „Golden Age of Radio“ nannte. 1920 hatte in den USA der erste kommerzielle Radiosender der Welt den Betrieb aufgenommen und schon 1930 hatten 40,3% aller Haushalte in den USA ein Radio. 1940 sollten es schon 82,6% sein. Rundfunk gehörte also zu DEM neuen, heißen Scheiß! Gesendet wurden nicht nur Musik und Nachrichten, sondern auch eine ganze Reihe von anderen Formaten, die gewissermaßen das Konzept späterer Fernsehsendungen vorwegnahmen: Werbespots, Diskussionsrunden, Rundfunkgottesdienste, Gameshows und… Hörspiele. Massenweise Hörspiele. In jedem nur erdenklichen Genre. Comedy, Seifenoper, Western, Kinderhörspiel, Krimi, Horror, Thriller, Science-Fiction. Fast jedes Serienkonzept (außer Fantasy im heutigen Sinne), das man heute aus TV und Streaming kennt, gab es damals statt zum Glotzen eben zum Lauschen. Darunter auch Superhelden! Immerhin hatte Radio gegenüber der damaligen Filmtechnik einen ganz gewaltigen Vorteil: Da man den ganzen Kram nur akustisch und nicht optisch darstellte, musste man sich keinen Kopf um teure und technisch schwierig umzusetzende Special Effects machen. Alles, was man brauchte, waren ein paar Soundeffekte und ein paar gute Sprecherinnen und Sprecher. Und von letzteren gab es einige wirklich exzellente. Unter ihnen waren selbst solche Hollywoodgrößen wie Orson Wells und Vincent Price im Rundfunk tätig und liehen ihre Stimmen Heroen wie „The Shadow“ oder „The Saint“. Da wundert es nicht, dass jede Woche Millionen gebannt vor den Rundfunkgeräten saßen, um den neuesten (meist 15- bis 30-minütigen) Abenteuern ihrer Helden zu lauschen. Dieses goldene Zeitalter des Radios dauerte ungefähr bis Ende der 1950er, bis das immer populärer werdende Fernsehen schließlich dem Radio den Rang ablief. „Video killed the Radio-Star“ sozusagen.

Viele dieser frühen Rundfunkabenteuer sind heute vergessen, aber einige haben bis heute ihre Spuren in der Welt der Superhelden hinterlassen. Beispielsweise ist die Existenz von Kryptonit der Superman-Radioshow zu verdanken! Wie viele andere Radioshows seiner Zeit wurde die Superman-Radiosendung der 1940er live gesendet. Das war üblich, stellte die Macher der Show aber vor ein Problem. Sollte der Sprecher von Superman, Bud Collyer, aus irgendeinem Grunde ausfallen, etwa weil er krank war oder mal Ferien brauchte, war es auch Essig mit der Show. Also wurde kurzerhand das Kryptonit erfunden (oder besser gesagt übernommen, denn ein ähnliches Material kam vorher schon einmal in einem abgelehnten Comicskript vor). Durch das Kryptonit wurde Superman von nun an immer dann auf die Matte gelegt, wenn Bud Collyer in der echten Welt nicht auftreten konnte, und die Showmacher waren ihr Problem los.

Jetzt werdet Ihr Euch bestimmt denken: Ja, toll – Radiosendungen aus den 30ern bis 50ern. Und wie soll ich die jetzt hören? Soll ich mich in der Zeit zurückbeamen? Ihr Vögel!

Da gibt’s natürlich Abhilfe! Viele Leute habe schon damals ihre Lieblingsradiosendungen aufgenommen und es gibt eine große und engagierte Szene von Radio-Enthusiasten, die sich der Erhaltung sogenannter OTR (Old Time Radio) Shows verschrieben haben. Daher findet man, beispielsweise im Internet-Archive und auf diversen anderen OTR-Seiten haufenweise (und legal) Stunden über Stunden an Hörspielmaterial, das sich ganz hervorragend als Inspiration für tolle Supers!-Abenteuer eignet! Ein paar davon haben wir Euch hier mal rausgesucht. Viel Spaß beim Hören!


Ein kleiner Disclaimer dazu: Bitte beachtet, dass die Tonqualität der Aufzeichnungen echt stark schwanken kann, da die damaligen Aufnahmetechniken noch nicht so ausgereift waren. Zudem sind nicht immer alle Folgen einer Serie erhalten geblieben. Den Adleraugen unter Euch wird zudem aufgefallen sein, dass wir hier intendiert Superhelden und nicht Superheld:Innen geschrieben haben. Die Serien sind halt im Schnitt sieben Jahrzehnte alt. Hier und da merkt man das.

  • The Shadow – der „Proto-Batman” schlechthin – wird in dieser Serie vom großartigen Orson Wells verkörpert und lehrt als mit schwarzem Hut und Mantel vermummtes Phantom mit hypnotischen Kräften Bösewichten das pure Grauen:
  • Superman brauchen wir hier wohl nicht näher vorzustellen:
  • The Blue Beetle – ein Superheld, der heute eher in der zweiten Reihe zu finden ist, hatte 1940 seine eigene Radioserie. Als kleine Vorwarnung: Diese frühe Version von Blue Beetle ist SEHR anders als der Blue Beetle, den einige von Euch aus der Trickserie Batman: The Brave and the Bold kennen könnten:
  • Space Patrol – diese Serie verlinken wir Euch hier stellvertretend für den ganzen Haufen in den 1950ern populären, weltraumbasierten „Superhelden“. In dieser Serie sorgen Commander Buzz Corry, Weltraumkadett Happy und die neptunianische Prinzessin Tonga (ja, es waren die 50er..) für Ordnung im Weltall!
  • Yours Truly, Johnny Dollar zeigt, dass man nicht unbedingt irgendwelche speziellen Kräfte braucht, um ein cooler Held zu sein. Bis auf die übernatürliche Fähigkeit, jederzeit jede seiner Ausgaben in seiner Spesenabrechnung zu verbuchen, hat Versicherungsdetektiv Johnny Dollar keine Superpower und keine High-Tech-Gadgets. Das hindert ihn trotzdem nicht daran, überall auf der Welt vertrackte Fälle zu lösen!
  • The Saint – Simon Templar ist einer dieser verbrechensbekämpfenden Helden, die schon seit Jahrzehnten durch die Medien schleichen und dabei immer mal wieder von ziemlich prominenten Leuten verkörpert werden. Auf der Leinwand waren es beispielsweise Roger Moore und Val Kilmer. Im Radio hingegen war es der unsterbliche Vincent Price, der Simon Templar Leben einhaucht (Japp, der Mann konnte auch Heldenfiguren spielen – und das ganz hervorragend):
  • Cloak and Dagger – diese Serie hat keinen durchgehenden Protagonisten, vertont aber dafür gekonnt spannende Spionagegeschichten, die man für Abenteuer im James-Bond-Stil hervorragend als Inspiration hernehmen kann. Vorgeblich basieren alle Folgen auf echten Spionagefällen aus dem zweiten Weltkrieg. Ob das stimmt oder nicht, wissen wir nicht – aber auf jeden Fall lohnt sich das Hören:
  • Nicht von Anno Tuff, sondern aus dem 21. Jahrhundert stammen Red Panda (Canadas greatest Superhero) und seine furchtlose Mitstreiterin Flying Squirrel! Diese herausragende Show ist eine Pastiche alter Radioserien und bietet alles, was das Herz des Superhelden-Fans begehrt! Superschurken, bizarre Verbrechen, geheime Schattenkriege um das Schicksal der Welt und gleich zwei sympathische Superheld:innen!
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Dom
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